Barrierefreiheit: Worauf es bei der eigenen Website ankommt
Ich habe diese Website kürzlich gründlich überprüft. Das unangenehmste Ergebnis: Meine wichtigsten Schaltflächen waren im dunklen Design kaum lesbar. Heller Text auf hellem Hintergrund. Mir war das nie aufgefallen, weil ich wusste, was dort steht.
Seit Juni 2025 gibt es in Deutschland ein Gesetz dazu, das für viele Firmenseiten gilt. Aber auch ohne Gesetz ist die Sache einfach: Eine Seite, die Besucher aussperrt, verfehlt ihren Zweck. Hier die Punkte, die am häufigsten schiefgehen – ohne Fachchinesisch.
Schrift muss sich vom Hintergrund abheben
Helle Schrift auf einem hellen Farbverlauf sieht modern aus. Lesbar ist sie oft nicht. Für Menschen mit Sehschwäche wird sie unlesbar, und in der Sonne auf dem Handy für alle anderen auch.
Das lässt sich messen, man muss es nicht raten. Kostenlose Werkzeuge im Netz sagen dir in Sekunden, ob der Unterschied ausreicht. Wichtig: Wenn deine Seite ein helles und ein dunkles Design hat, prüfe beide. Bei mir war dieselbe Schaltfläche hell in Ordnung und dunkel durchgefallen. Und prüfe nicht nur den Fließtext, sondern auch kleine graue Angaben wie Datumsangaben.
Inhalte dürfen nicht erst nach ein paar Sekunden auftauchen
Sehr beliebt sind Effekte, bei denen Texte beim Scrollen sanft eingeblendet werden. Das Problem: Dafür muss erst Technik im Hintergrund geladen sein. Bei langsamer Verbindung sieht der Besucher sekundenlang eine leere Seite.
Meine Regel seitdem: Alles, was man ohne Scrollen sieht, erscheint sofort. Spielereien gibt es nur weiter unten auf der Seite.
Bewegung muss man abschalten können
Für manche Menschen lösen Bewegungen auf dem Bildschirm Schwindel oder Übelkeit aus. Deshalb kann man am Computer und am Handy einstellen: bitte weniger Bewegung. Eine gute Website hält sich daran und lässt ihre Effekte dann weg.
Bei mir war das nur zur Hälfte umgesetzt – ein Teil der Animationen lief trotz dieser Einstellung weiter. Und Dinge, die sich endlos bewegen, etwa ein hüpfender Pfeil, sollten nach ein paar Sekunden zur Ruhe kommen.
Alles muss ohne Maus bedienbar sein
Nicht jeder kann eine Maus benutzen. Mach den Test selbst: Leg die Maus weg und geh nur mit der Tabulator-Taste durch deine Seite.
- Sieht man immer, wo man gerade ist? Es braucht eine deutliche Markierung.
- Lassen sich Menüs mit der Escape-Taste wieder schließen?
- Kommt man an jede Schaltfläche, oder werden Bereiche übersprungen?
Das dauert fünf Minuten und zeigt mehr als jedes Prüfprogramm.
Links müssen aus sich heraus verständlich sein
Blinde Besucher lassen sich Seiten vorlesen und oft auch nur die Links auflisten. Fünfmal „Mehr erfahren" hintereinander hilft ihnen dann überhaupt nicht. Besser: „Mehr über das Azure-Zertifikat erfahren".
Dazu gehört auch ein Hinweis, wenn ein Link ein neues Fenster öffnet. Und bei einer Datei zum Herunterladen gehört die Größe dazu. Ich hatte einen Link, hinter dem ohne Vorwarnung 14 Megabyte steckten – über Mobilfunk ärgerlich.
Beim Kontaktformular entscheidet sich alles
Das Formular ist meist das Wichtigste auf der Seite. Drei Dinge zählen:
Jedes Feld braucht eine sichtbare Beschriftung darüber. Ein grauer Beispieltext im Feld reicht nicht, denn er verschwindet, sobald man tippt. Dann weiß niemand mehr, was dort hingehört.
Nach dem Absenden muss klar werden, ob es geklappt hat – auch für jemanden, der sich die Seite vorlesen lässt. Und solche Meldungen sollten stehen bleiben, statt nach fünf Sekunden von selbst zu verschwinden. Wer langsamer liest, hat sonst nichts davon.
Ein Prüfprogramm allein reicht nicht
Meine Seite hatte bei einem gängigen Testwerkzeug die volle Punktzahl für Barrierefreiheit. Trotzdem waren die Schaltflächen im dunklen Design praktisch unlesbar. Solche Programme prüfen nur, ob eine Bildbeschreibung vorhanden ist – nicht, ob sie sinnvoll ist.
Lass die Werkzeuge also ruhig laufen. Aber geh danach selbst einmal mit der Tastatur durch die Seite, schau dir beide Designs an und schalte einmal die Vorlesefunktion ein. Eine halbe Stunde, die sich lohnt.
Fazit
Barrierefreiheit ist nichts, was man am Schluss noch dranschraubt. Während der Entwicklung kosten die meisten Punkte oben ein paar Minuten. Später kosten sie Stunden.
Und wenn ich bei meiner eigenen Seite ein halbes Dutzend Baustellen gefunden habe, obwohl ich das beruflich mache: Wie sieht es wohl bei einer Firmenseite aus, die seit drei Jahren unverändert läuft?
Wenn du das für deine Seite geprüft haben möchtest, melde dich gerne.